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Kieselgurfilter
Der Kieselgurfilter ist ein Anschwemmfilter und erreicht die feinste Filterschärfe aller gängigen Schwimmbad-Filtersysteme. Während ein klassischer Sandfilter Partikel bis etwa 30 bis 50 µm zurückhält, filtert ein Kieselgurfilter bereits Trübstoffe ab einer Größe von rund 1 bis 5 µm aus dem Wasser. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich klares, brillantes Beckenwasser. Eingesetzt wird diese Technik vor allem dort, wo der Hygieneanspruch besonders hoch ist: in öffentlichen Bädern, Hotelanlagen und anspruchsvollen privaten Schwimmbädern.
Das namensgebende Filtermittel Kieselgur ist ein natürlicher mineralischer Stoff, der aus den fein strukturierten Schalen fossiler Kieselalgen besteht. Diese porösen Partikel werden dem Rohwasser vor dem Filter zugesetzt und in einer dünnen Schicht von etwa 1 bis 3 mm auf Trägerelementen, sogenannten Kartuschen-Platten oder Filterkerzen, angeschwemmt. In dieser Schicht entstehen feinstverteilte Hohlräume, die dem Wasser eine hervorragende Filterwirkung verleihen. Teilweise wird zusätzlich Pulver-Aktivkohle beigemischt, um gelöste organische Stoffe und Gerüche zu binden.
Diese hohe Filtrationsschärfe bei gleichzeitig sehr dünner Materialschicht ist die Stärke des Systems, bringt aber auch besondere Betriebsanforderungen mit sich. Anders als der Sandfilter besitzt der Anschwemmfilter keine Tiefenwirkung, und das angeschwemmte Material reagiert empfindlich auf Betriebsunterbrechungen. Auf dieser Seite erklären wir das Funktionsprinzip, den Betrieb mit Rückspülung und Entsorgung sowie die Frage, für welche Bäder sich der Kieselgurfilter wirklich lohnt.
Funktionsprinzip des Anschwemmfilters
Beim Kieselgurfilter wird die eigentliche Filterschicht bei jedem Betriebsstart neu aufgebaut. Der Ablauf folgt dabei stets demselben Prinzip:
1. Anschwemmen
Kieselgur wird dem Rohwasser zugesetzt und legt sich in einer 1 bis 3 mm dünnen Schicht auf die Trägerelemente. Es entsteht eine geschlossene, hochfeine Filterschicht.
2. Filtern
Das Beckenwasser durchströmt die angeschwemmte Schicht. Feinste Trübstoffe ab 1 µm bleiben in den porösen Hohlräumen hängen, das Wasser wird brillant klar.
3. Rückspülen
Bei steigendem Gegendruck wird das verbrauchte Material mit der Pumpe ausgespült. Anschließend wird frisches Kieselgur neu angeschwemmt.
Um eine vorzeitige Verstopfung der Filterschicht zu vermeiden, kann dem Rohwasser laufend eine geringe Menge Kieselgur beigegeben werden. Das lockert die Schicht auf, hält sie aktiv und verhindert, dass Schmutz bis auf die Trägerelemente durchdringt. So bleibt die Filterleistung über den gesamten Filterzyklus konstant hoch.
Filterfeinheit im Vergleich
Die folgende Übersicht ordnet den Kieselgurfilter in die gängigen Filtersysteme ein. Entscheidend ist die Filterfeinheit, also die kleinste noch zuverlässig zurückgehaltene Partikelgröße.
| Filtersystem | Filterfeinheit | Tiefenwirkung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Kieselgurfilter (Anschwemm) | ca. 1 bis 5 µm | nein (Oberflächenfilter) | Öffentliche Bäder, Hotels, hoher Hygieneanspruch |
| Sandfilter | ca. 30 bis 50 µm | ja | Standard im privaten Schwimmbad |
| Filterglas | ca. 15 bis 30 µm | ja | Feiner als Sand, weniger Rückspülwasser |
| Kartuschenfilter | ca. 10 bis 40 µm | nein | Kleine Aufstellbecken, Whirlpools |
Wie der Kartuschenfilter ist der Kieselgurfilter ein Oberflächenfilter ohne Tiefenwirkung. Seine sehr feine, aber dünne Schicht erreicht eine deutlich höhere Filterschärfe als ein Sand- oder Glasfilterbett, reagiert dafür aber empfindlicher auf Betriebsbedingungen und Schmutzlast.
Betrieb, Rückspülung und Entsorgung
Ein Anschwemmfilter muss ohne Betriebspausen durchlaufen. Wird der Filterbetrieb unterbrochen, fällt das angeschwemmte Material von den Trägerelementen ab. Beim erneuten Anschwemmen wird dann eine Mischung aus frischem Kieselgur und bereits abgelagertem Schmutz aufgetragen, was das Filterergebnis erheblich verschlechtert. Die Rückspülintervalle richten sich nach der Schmutzbelastung des Beckenwassers und der Verkeimungsgefahr im Filter, nicht nach einem festen Zeitplan.
Bei der Entsorgung ist eine Besonderheit zu beachten: Anschwemmfilter benötigen einen Kieselgur-Abscheider in der Rückspülleitung. Ohne Abscheider können sich Abwasserleitungen und private Sickergruben durch das ausgespülte Material zusetzen. Vor einer Einleitung von Kieselgur in den Kanal muss mit dem zuständigen Entwässerungsamt geklärt werden, ob eine solche Direktentsorgung überhaupt zulässig ist. Das verbrauchte Kieselgur gilt als Sonderabfall und wird entsprechend entsorgt. Diese aufwändigere Bedienung und Entsorgung ist der wesentliche Unterschied zum wartungsärmeren Sandfilter.
Dimensionierung nach DIN 19643
Wie jede Filteranlage besteht auch der Kieselgurfilter aus drei aufeinander abgestimmten Komponenten: Pumpe, Filterbehälter und Rückspülventil. Maßgeblich ist die Umwälzleistung, die sich aus dem Beckenvolumen und der geforderten Umwälzzeit ergibt. Die DIN 19643 gibt für die Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser die zulässigen Umwälzzeiten vor.
| Beckentyp | Umwälzzeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Privates Schwimmbad | 4 bis 8 h (FKB-Empfehlung 6 h) | je nach Badebelastung |
| Halböffentlich / Hotel | 4 h | Mindest-Norm |
| Öffentliches Bad | 2 bis 4 h | je nach Beckenart |
Die Mindestumwälzleistung errechnet sich aus dem Beckenvolumen geteilt durch die Umwälzzeit. Ein privates Becken mit rund 30 m³ Volumen und einer Umwälzzeit von 6 Stunden benötigt demnach etwa 5 m³/h, in der Praxis mit Reserve eher 7 bis 8 m³/h. Damit der hohe Filtrationsanspruch des Kieselgurfilters auch dauerhaft erreicht wird, sollte die Anlage großzügig und passend zur Pumpenleistung ausgelegt werden. Drehzahlgeregelte Pumpen sparen dabei im Jahresschnitt 50 bis 70 % Energie gegenüber Festdrehzahl-Pumpen.
Wartung im Überblick
Der laufende Betrieb eines Kieselgurfilters verlangt regelmäßige, fachkundige Pflege. Der Vorfilterkorb der Pumpe wird täglich auf Verschmutzung kontrolliert, der Filterdruck wöchentlich abgelesen. Steigt der Gegendruck deutlich über den Ausgangswert, ist eine Rückspülung mit anschließendem Neuanschwemmen fällig. Pumpe, Ventile und Verbindungen werden monatlich auf Geräusche, Schwingungen und Undichtigkeiten geprüft, eine Vollinspektion der Anlage erfolgt jährlich durch eine Fachkraft. Wegen der Sonderentsorgung des Kieselgurs und der Pflicht zum unterbrechungsfreien Betrieb ist dieses System eher für Betreiber geeignet, die eine kontinuierliche Wartung sicherstellen können.
Für wen lohnt sich ein Kieselgurfilter?
Der Kieselgurfilter spielt seine Stärken überall dort aus, wo höchste Wasserklarheit und Hygiene gefragt sind und ein regelmäßiger, fachkundiger Betrieb sichergestellt ist. Das trifft typischerweise auf öffentliche Bäder, Hotel- und Wellnessanlagen sowie gehobene private Schwimmbäder zu. Die Filtration nach DIN 19643 wirkt dabei rein mechanisch und ergänzt die Desinfektion, ersetzt sie aber nicht.
Für das durchschnittliche private Schwimmbad ist dagegen meist ein Sand- oder Glasfilter die wirtschaftlichere Wahl, da er weniger Bedienaufwand erfordert und keine Sonderentsorgung nötig macht. Wer ein neues System plant, sollte Filterfeinheit, Bedienkomfort und laufende Kosten gegeneinander abwägen. Die beigemischte Pulver-Aktivkohle kann gelöste organische Stoffe und Gerüche zusätzlich binden, und in Kombination mit einer UV-Desinfektion lässt sich der Chemikalieneinsatz weiter senken. Auch dann bleibt die mechanische Filtration jedoch die Grundlage jeder funktionierenden Wasseraufbereitung und sollte zuerst richtig dimensioniert sein. Einen Überblick über alle Systeme bietet die Seite Filteranlagen und Systeme; eine einfachere Alternative für kleine Becken stellt der Kartuschenfilter dar. Gern beraten wir Sie persönlich, welches Filtersystem zu Ihrem Becken und Ihrem Nutzungsprofil passt.
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Fragen & Antworten: Kieselgurfilter
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Was findet man in der Kategorie Kieselgurfilter?
In der Kategorie Kieselgurfilter finden Sie Filtertechnik und Zubehör für Kieselgurfilter. Kieselgurfilter: Feinste Filtration für klares Schwimmbadwasser. -
Welche Technik ist bei Kieselgurfilter wichtig?
Bei Kieselgurfilter kommt es vor allem auf die passende technische Auslegung an. Entscheidend sind Leistung, Anschlussmaße, Energiebedarf und die Abstimmung mit den übrigen Pool- oder Haustechnik-Komponenten. -
Welche Filtertechnik wird bei Kieselgurfilter eingesetzt?
Jedoch fehlt eine Tiefenwirkung, wie auch bei Kartuschenfiltern. -
Worauf sollte man bei Kieselgurfilter achten?
Wichtig sind Beckenvolumen, Umwälzleistung, Filtermedium und Anschlussmaße. So lässt sich eine Lösung auswählen, die dauerhaft zum Projekt und zum vorgesehenen Einsatz passt.